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filmspule bunt 250 1Die Redaktion des Stummfilm Magazins hat einen kleinen Filmkanon für Einsteiger in die Welt des Stummfilms zusammengestellt.

Die hier vorgestellten dreißig Werke repräsentieren verschiedene Phasen der frühen Filmproduktion: Vom Kino der Attraktionen bis zum Monumentalstreifen mit Staraufgebot, vom Experimentalfilm bis zur Dokumentation. Wie jede Best-of-Liste ist auch diese Übersicht weder vollständig noch frei von persönlichen Präferenzen.

Brüder Lumière: Programm der ersten öffentlichen Filmvorführung Frankreichs vor zahlendem Publikum
Frankreich 1895
Eines der bedeutensten Daten der Filmgeschichte: Am 28. Dezember 1895 führten Angestellte der Brüder Lumière erstmals eine Filmprojektion mit dem Cinématographe vor einem zahlenden Publikum vor. Gezeigt wurden zehn Kurzfilme im indischen Salon des Grand Café am Boulevard des Capucine in Paris. Den Lumières gelang es weltweit als ersten, die Aufnahme, Vorführung und Kopierung von Filmen technisch marktreif zu entwickeln. Die Patentierung ihres Systems erfolgte bereits am 13. Februar 1895.

Die Reise zum Mond
Frankreich 1902
Der Mond als überdimensioniertes Gesicht, einer Sahnetorte nicht unähnlich ... und plötzlich steckt ein Raumschiff in einem der beiden Augen: Auch weit über 100 Jahre nach seiner Veröffentlichung ist dieses Bild aus "Le Voyage dans la Lune" im kollektiven Bildergedächtnis präsent. Méliès drehte mit dem ca. 16-minütigen Spektakel den ersten Science-Fiction-Film der Kinogeschichte, ausgestattet mit vielen Schauwerten und optischen Effekten. Die Handlung orientiert sich am gleichnamigen Roman von Jules Verne.

Der große Eisenbahnraub
USA 1903
Mit "The Great Train Robbery" schuf der Filmregisseur und -pionier Edwin Stanton Porter (1870-1941) einen Meilenstein der Kinogeschichte und vermutlich auch den ersten Filmwestern. Der ca. 12 Minuten lange Film aus der Produktion der Edison Studios ist eines der frühesten Beispiele für das Erzählen einer Geschichte mit filmischen Mitteln.

Abgründe
Dänemark 1910
In "Afgrunden", so der dänische Originaltitel, gab die däniche Schauspielerin Asta Nielsen (1881-1972) ihr Filmdebüt. Der Fim wurde auf Anhieb ein enormer Erfolg und ist ein Meilensteinen des erzählenden Kinos. Legendär ist in "Abgründe" die Tanzszene, in der Asta Nielsen in aufreizender Weise einen Mann umwirbt. Die begnadete Leinwanddarstellerin beherrschte souverän sowohl das dramatische als auch das komische Fach. Sie gilt nach dem französischen Filmkomiker Max Linder als zweiter internationaler Filmstar der Kinogeschichte.

Fantomas
Frankreich 1913
Das französische Serial um den anarchistischen und rücksichtslosen Meisterverbrecher Fantomas wurde von Regisseur Louis Feuillade auf spannende und effektive Weise inszeniert. Die Filme beziehen sich auf die Bücher von Pierre Souvestre und Marcel Allain. Feuillade, ein Könner seines Fachs, war unter anderem auch für die Filmreihen "Die Vampire" und "Judex" verantwortlich. 

Der Student von Prag
Deutschland 1913
In der Filmliteratur wird "Der Student von Prag" gemeinhin als der erste Autorenfilm der Filmgeschichte bezeichnet. Schauspielerlegende Paul Wegener war nicht nur in der Hauptrolle des Studenten Balduin zu sehen, sondern auch mitverantworlich für die Regie. Er soll zudem das Filmprojekt angestossen haben. Das Werk hatte am 22. August 1913 im Berliner Mozartsaal Premiere. Die Ausstattung stammte von Klaus Richter und Rochus Gliese.

Cabiria
Italien 1914
Mit "Cabiria" schuf der Regisseur Giovanni Pastrone 1913/1914 einen international überaus erfolgreichen und zudem filmtechnisch und stilistisch einflussreichen Monumentalfilm. Bemerkenswert an der Produktion ist der häufige Einsatz eines Kamerawagen, der elegant den Schauspielern folgt und den Übergang von Nahaufnahmen zu Totalen und umgekehrt ohne Schnitt realisieren ließ. Angeblich wurde D. W. Griffith von "Caribia" zu "The Birth of a Nation" inspiriert.

The Birth of a Nation
USA 1915
"The Birth of a Nation" von Regisseur D. W. Griffith ist einer der einflussreichsten amerikanischen Filme und zudem der wohl finanziell erfolgreichste Stummfilm weltweit. Schon kurz nach seiner Veröffentlichung, die Uraufführung war am 08. Februar 1915, stand der Film aber auch wegen seines rassistischen Inhalts in der Kritik.

Intolerance
USA 1916
Direkt nach seinem Riesenerfolg  "The Birth of a Nation" drehte David Wark Griffith mit noch größerem Aufwand "Intolerance". Griffith war für die Regie, die Produktion und das Drehbuch verantworlich und auch in den Schnitt involviert. Der Film verknüpft vier Episoden aus verschiedenen Zeitaltern unter dem Thema Toleranz bzw. Intoleranz. Auch heute noch beeindrucken die in Babylon angesiedelten Szenen mit ihrem monumentalen Set, das angeblich 50 Meter hoch und 600 Meter lang war. Der der Rolle der "ewigen Mutter" ist Kinolegende Lilian Gish zu sehen. 

Der Vagabund und das Kind
USA 1920
"The Kid" ist der erste Langfilm von und mit Charlie Chaplin. Der Streifen verbindet auf geniale Weise komische und traurige Elemente zu einem schlüssigen Ganzen. Neben Chaplin sind Edna Purviance und Jackie Coogan auf der Leinwand zu sehen. Der Film wurde im Jahr 2011 in das National Film Registry aufgenommen.

Das Cabinet des Dr. Caligari
Deutschland 1920
Der erste expressionistische Spielfilm der Kinogeschichte: "Das Cabinet des Dr. Caligari". Das von Robert Wiene gedrehte Werk wurde am 27.02.1920 uraufgeführt und besticht durch sein außergewöhnliche Ausstattung. Es spielten Werner Krauß, Conrad Veidt, Friedrich Feher, Lil Dagover und Hans-Heinrich von Twardowski.

Der Golem, wie er in die Welt kam
Deutschland 1920
Paul Wegener und Carl Boese drehten mit "Der Golem, wie er in die Welt kam" einen Klassiker des Weimarer Kinos. Der dem Expressionismus verhaftete Film wurde am 29. Oktober 1920 in Berliner Ufa-Palast am Zoo uraufgeführt. Hans Poelzig und Kurt Richt waren für die beeindruckende Filmarchitektur verantwortlich.

Nosferatu
Deutschland 1922
Friedrich Wilhelm Murnaus meisterhafter Leinwand-Albtraum aus dem Jahr 1922 ist einer der ersten Horrorfilme der Stummfilmgeschichte. Die Darstellung von Max Schreck als Vampir und die dichte Inszenierung des Regisseurs faszinieren auch heute noch. In weiteren Rollen sind Gustav von Wangenheim und Greta Schröder zu sehen. Die Handlung des Films basiert auf Bram Stokers berühmten Dracula-Roman.

Nanuk, der Eskimo
USA 1922
"Nanook of the North" wurde von Robert J. Flaherty, der auch für die Regie, das Drehbuch, die Kamera und den Schnitt verantwortlich zeichnete, im Jahr 1922 produziert. Der Film wurde 1989 in das National Film Registry aufgenommen und ist einer der ersten langen Dokumentarfilme der Kinogeschichte.

Dr. Mabuse, der Spieler
Deutschland 1922
Fritz Langs Zweiteiler "Dr. Mabuse, der Spieler" ist ein Klassiker des Weimarer Kinos. Das Drehbuch des mit Rudolf Klein-Rogge, Alfred Abel, Paul Richter und Anita Berber prominent besetzten Films stammt von Thea von Harbou. Die Figur des Dr. Mabuse wurde von dem Schriftsteller Norbert Jacques erfunden und stand im Mittelpunkt mehrerer seiner Romane.

Das Wachsfigurenkabinett
Deutschland 1923
Paul Leni schuf mit „Das Wachsfigurenkabinett“ einen visuell dem Expressionismus verhafteten, überaus unterhaltsamen Episodenfilm. Zur prominenten Schauspielerriege gehören Emil Jannings, Conrad Veidt, Werner Krauß und Wilhelm Dieterle. Das Drehbuch stammt von Hendrik Galeen, der auch an "Nosferatu" (Regie F.W. Murnau, 1922) und weiteren Filmklassikern beteiligt war.

Die zehn Gebote
USA 1923
Regisseur Cecil B. DeMille geizte bei seinem Monumentalfilm "The Ten Commandments" nicht mit üppiger Ausstattung und technischen Tricks. Moses wurde von Theodore Roberts verkörpert, Charles de Rochefort spielte Pharao Ramses. DeMille drehte 33 Jahre später von seinem eigenen Erfolgsfilm auch noch das ebenfalls sehr erfolgreiche Remake mit Charlton Heston in der Hauptrolle.

Die Nibelungen
Deutschland 1922-1924
Fritz Langs Spielfilm-Zweiteiler beeindruckt auch heute noch aufgrund seiner stilsicheren Ausstattung. Legendär ist die Kampfszene im ersten Teil zwischen dem Drachen und Siegfried, gespielt von Paul Richter.

Der Dieb von Bagdad
USA 1924
Unter der Regie von Raoul Walsh entfaltete Stummfilmstar Douglas Fairbanks sen. in „The Thief Of Bagdad“ seinen ganzen Charme. In einer Nebenrolle ist die legendäre Anna May Wong zu sehen. Die Ausstattung und die Tricks des Films bezaubern auch heute noch: pure Filmmagie!

Der letzte Mann
Deutschland 1924
Ohne Zwischentitel erzählt Regisseur F. W. Murnau den sozialen Abstieg eines stolzen Hotelportiers in entfesselten Bildern. Der beeindruckende Film war das Ticket für Murnau nach Hollywood.

Die freudlose Gasse
Deutschland 1925
Der einzige Film, in dem Greta Garbo und Asta Nielsen gemeinsam zu sehen sind: G. W. Papst drehte mit "Die freudlose Gasse" einen sozialkritischen, vielfach zensierten Klassiker des Weimarer Kinos. Neben den zwei Filmdiven spielten Werner Krauß, Loni Nest und Valeska Gert.

Panzerkreuzer Potemkin
UDSSR 1925
Sergei Eisensteins Stummfilmklassiker "Panzerkreuzer Potemkin" wurde im Dezember 1925 im Bolschoi-Theater Moskau als offizieller Jubiläumsfilm zur Feier der russischen Revolution im Jahr 1905 uraufgeführt. Das Werk wird bei Umfragen immer wieder unter die bedeutensten zehn Filme der Kinogeschichte gewählt. Legendär ist die Szene eines Massakers auf der Treppe zum Hafen von Odessa, die durch ihren virtuosen, rythmischen Schnitt beeindruckt, Generationen von Filmemachern beeinflusst hat und Gegenstand unzähliger filmwissenschaftlicher Abhandlungen ist.

Die Abenteuer des Prinzen Achmed
Deutschland 1926
Lotte Reiniger schuf mit "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" den weltweit ältesten noch erhaltenen Animationsfilm in Spielfilmlänge. Der fantasie- und liebevoll gestaltete Film in Silhouettentechnik entstand unter Mitwirkung von Walter Ruttmann, Berthold Bartosch, Alexander Kardan und Carl Koch.

Der Mieter
Großbritannien 1926
"The Lodger – A Story Of The London Fog" ist ein spannender, sorgfältig inszenierter Thriller. Das Werk wird als der erste Hitchcock-Film mit dem typischen Hitchcock-Touch angesehen. Die titelgebende Hauptrolle spielte Ivor Novello.

Metropolis
Deutschland 1927
"Metropolis" wurde von Regisseur Fritz Lang in den Jahren 1925 bis 1926 in Deutschland gedreht und ist einer der teuersten Filme seiner Zeit. Das herausragende Werk der Filmgeschichte ist ein Klassiker des deutschen Expressionismus. Auch heute noch übt der Film Einfluss auf Filmschaffende aus und ist Gegenstand zahlreicher filmhistorischer Anlaysen. Als erster Film weltweit wurde "Metropolis" in das Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen. Es spielten Brigitte Helm, Gustav Fröhlich, Alfred Abel, Fritz Rasp, Rudolf Klein-Rogge und Heinrich George. Die bislang vollständigste, aufwändig restaurierte Fassung wurde am 12. Februar im Rahmen der Berlinale 2010 im Friedrichstadtpalast und in der Alten Oper Frankfurt zeitgleich aufgeführt. Die vielbeachtete Neuveröffentlichung ist durch einen spektakulären Kopienfund in Buenos Aires im Jahr 2008 möglich geworden; anhand dieser 16mm-Filmrollen konnte "Metropolis" restauriert und so seiner Uraufführungsfassung angenähert werden.

Berlin - die Sinfonie der Großstadt
Deutschland 1927
Walther Ruttmanns Dokumentar- und Montagefilm zeigt chronologisch einen Tag in Berlin in dynamisch zusammengeschnittenen Aufnahmen und Bildkompositionen. Die Uraufführung war am 23. September 1927. Der Film ist heute einer der populärsten Werke aus der Stummfilmzeit.

Napoleon
Frankreich 1927
Der französische Filmregisseur und Kinovisionär Abel Gance (1889-1981) drehte mit dem aufwändigen Historienstreifen Napoléon seinen prominentesten Film. Bei der Produktion kamen für verschiedene Szenen Breitwand-, Farb- und 3D-Aufnahmen zum Einsatz; "Napeléon" kann als ein Kaleidoskop filmtechnischer Möglichkeiten und Innovationen der Stummfilmzeit bezeichnet werden.

Sunrise
USA 1927
Friedrich Wilhelm Murnau drehte 1927 mit "Sunrise – A Song Of Two Humans" seinen ersten Film in den USA. George O’Brien und Janet Gaynor spielten die Hauptrollen in diesem künstlerisch herausragenden Meisterwerk voller optischer Raffinesse. Bei der ersten Oscar-Verleihung im Jahr 1929 erhielt der Film drei Trophäen. In Hitlisten zu den besten Streifen der Filmgeschichte rangiert "Sonnenaufgang - Lied von zwei Menschen" regelmäßig auf den ganz vorderen Plätzen.

Die Passion der Jungfrau von Orléans
Frankreich 1928
Carl Theodor Dreyers „La Passion de Jeanne d’Arc“ zählt zu den großen Klassikern der Filmgeschichte. In eindrücklichen und bedrückenden Bildern schildert er das Schicksal und die Hinrichtung der „Jungfrau von Orléans“. Durch einen Zufallsfund in den 80er-Jahren ist der Film in einer dem Original nahe kommenden Fassung erhalten.

Ein andalusischer Hund
Frankreich 1929
„Un chien andalou“, ein Gemeinschaftswerk von Filmemacher Luis Buñuel und Maler Salvador Dalí, ist ein surrealistischer Kurzfilm, der von seinen intensiven Bildern lebt. Der Film erzählt keine Geschichte, die Bilder stehen für sich, der Titel steht in keinem Zusammenhang mit dem Film, kurzum: einfach surreal.

Foto: Stummfilm Magazin/Frank Hoyer

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