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die stadt ohne juden filmarchiv austria 250 02Mit einem umfangreichen Programm würdigt das Filmarchiv Austria die Restaurierung des österreichischen Stummfilms Die Stadt ohne Juden.

"Die Stadt ohne Juden" nannte Hugo Bettauer seinen 1922 erschienenen Roman, der die damals noch utopische Vorstellung einer Vertreibung der Juden aus Wien beschreibt. Die Aufführungen der gleichnamigen Verfilmung (Österreich 1924) von Regisseur Hans Karl Breslauer waren bereits von Störaktionen der Nationalsozialisten begleitet, 1925 wurde Bettauer von einem Nationalsozialisten erschossen. Der Aufstieg der NSDAP in Österreich mit Mitteln des Terrors mündete im sogenannten "Anschluss" von Österreich an Nazi-Deutschland im Jahr 1938. Was folgte, war die Vertreibung und Ermordung der mitteleuropäischen Jüdinnen und Juden im Holocaust.

Durch einen Fund auf einem Pariser Flohmarkt sind verloren geglaubte, inhaltlich bedeutsame Filmteile von "Die Stadt ohne Juden" in den Bestand des Filmarchiv Austria gelangt, das den Stummfilm nun erstmals seit vielen Jahrzehnten in voller Länge wiederhergestellt hat.

Ausstellung vom 02. März bis 30. Dezember 2018 im Metro Kinokulturhaus Wien

Die Ausstellung "Die Stadt ohne" begleitet die Veröffentlichung der neu restaurierten Version des Stummfilms, der heute weltweit als erstes filmkünstlerische Statement gegen den Antisemitismus gilt. Dabei wird in der Schau dieses einzigartige Zeitdokument nicht nur in der Geschichte der Ersten Republik verortet, sondern auch in der gesellschaftlichen Wirklichkeit der Gegenwart. Ausgehend von einzelnen Filmszenen schlägt die Ausstellung einen Brücke zwischen dem Damals und Heute: Sie zeigt, wie Ausschlussmechanismen in der Gesellschaft funktionieren und zeichnet dabei die einzelnen Stufen des Ausgrenzungsprozesses von der Polarisierung der Gesellschaft bis zum endgültigen Ausschluss der geschaffenen "Sündenböcke" nach.

In den 1920er- und 1930er-Jahren haben die Antisemiten nach dem Ausschluss "der Juden" gerufen, heute wird wieder agitiert: gegen "die Ausländer", Muslim/innen oder Flüchtlinge. "Die Stadt ohne" stellt die Frage, ob und inwiefern die gesellschaftliche Spaltung während der Jahre des Aufstiegs des Nationalsozialismus mit jener unserer Gegenwart verglichen werden kann, soll oder sogar muss.

Im Film von 1924 kehren die Jüdinnen und Juden nach Wien zurück, die historische Realität sollte aber anders aussehen. Von der Utopie Bettauers und des Films wendet sich die Ausstellung den tatsächlichen historischen Folgen des Ausschlusses der jüdischen Bevölkerung, der Schoa, zu. Mit ihrer Anbindung an die Gegenwart versteht sich "Die Stadt ohne" nicht nur als historische Ausstellung, sondern als eine Intervention zum Republikjubiläum, die Fragen der kulturellen Identität Österreichs mit all ihren Brüchen und Verwerfungen kritisch beleuchtet. Als Projektionsfolie dazu dienen die nun wiederentdeckten Filmbilder von "Die Stadt ohne Juden".

Die Ausstellung ist kuratiert von Andreas Brunner, Barbara Staudinger und Hannes Sulzenbacher, die auch Herausgeber/innen des Katalogs "Die Stadt ohne Juden Muslime Flüchtlinge Ausländer" sind (Erscheinungstermin 01. März 2018, ca. 300 Seiten, zahlreiche Abbildungen).

die stadt ohne juden filmkader filmarchiv austria 250 2016Weltpremiere der restaurierten Fassung von "Die Stadt ohne Juden" am 21. März 2018 im Metro Kinokulturhaus Wien

Die bisher größte österreichische Crowdfunding-Initiative im Kulturbereich mit mehr als 700 private Filmretter/innen hat die Filmrestaurierung möglich gemacht. Mit dieser Unterstützung konnte das Filmarchiv Austria den Film umfassend sichern und restaurieren. Das Werk liegt nun erstmals wieder in der nahezu vollständigen Originalversion vor und erlebt am 21. März 2018 um 19:00 Uhr im Metro Kinokulturhaus Wien seine Weltpremiere.

Rahmenprogramm zu "Die Stadt ohne Juden" von April bis November 2018

Begleitend zur Ausstellung "Die Stadt ohne" bietet das Filmarchiv Austria in Kooperation mit zahlreichen Partnerinstitutionen aus Kunst, Kultur und Wissenschaft österreichweit ein umfassendes Rahmenprogramm. Dazu zählen Filmretrospektiven, Podiumsdiskussionen und Publikumsgespräche im Metro Kinokulturhaus, aber auch Präsentationen "on Location" in Wien und den Bundesländern. Im Rahmen der Reihe "Kino der Orte" wird der Film an verschiedenen Wiener Schauplätzen gezeigt, die in direkter Verbindung zur jüdischen Kultur der Stadt bzw. zur Geschichte des Films stehen. Ebenso ist die Präsentation des Films mit Begleitvorträgen in den österreichischen Bundesländern in Vorbereitung.
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Text- und Bildmaterial: Filmarchiv Austria

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