turksib cover dvd absolut medienIn Kürze veröffentlicht Absolut Medien den russischen Dokumentarfilm Turksib ("Der Stählerne Weg") von Wiktor Turin als "video on demand" und "Download".

Der legendäre Dokumentarfilm aus dem Jahr 1929 handelt vom schwierigen Bau der durch die kasachische Steppe führenden Anschlussstrecke aus Turkestan (damals Sammelbegriff für das sowjetische Mittelasien) zur Transsibirischen Eisenbahn. Die Turk-Sib-Bahn war neben dem Großkraftwerk Dnjeprostroi und dem Wolga-Don‑Kanal eines der drei Großprojekte in den ersten Jahren des Fünfjahrplanes von 1928/29 und ideal geeignet, das Aufbruchspathos und die radikalen Veränderungen auch in den "exotischen Weiten“ der Sowjetunion zu illustrieren. Breiten Raum nimmt die Darstellung der beiden zu verbindenden Räume ein: das an Kirgisien grenzende südliche Kasachstan, als große, noch zu entwickelnde Baumwollregion, und das nördliche Kasachstan, von dem aus durch den Bahnanschluss Getreide, Holz und Wolle aus Sibirien leichter zugänglich werden. Besonders aber rückt der Film die Menschen ins Bild, für die sich durch den Eisenbahnanschluss das Leben und die Arbeitsmöglichkeiten radikal verändern.

Anders als im Film am Ende angegeben, wurde der Bau der Turksibstrecke nicht erst 1931, sondern schon im April 1930 vollendet und als große Errungenschaft gefeiert: „Wir stellen das neue Leben auf die Gleise!“ schrieb die Presse bei der Eröffnung. Diesem für die Region epochalen Ereignis kommt der Film nochmal ein halbes Jahr zuvor: Er zeigt den Erfolg und die Bedeutung der Bahnverbindung und die "Transformation des archaischen zum Neuen Menschen" bereits im Oktober 1929 in den russischen Kinos, Anfang 1930 auch in Deutschland – wo er begeistert aufgenommen wurde

"Turksib" ging weit über die damals üblichen Kulturfilme und ethnografischen Reisefilme hinaus. Er sollte bald darauf in den engagierten sowjetischen Dokumentarfilmen wie "Dschim Schwante" (auch: "Sol Swanetii"; "Das Salz Swanetiens", Regie: Michail Kalatosow 1930), "Drugaja Schisn" "(Das andere Leben", Regie: Juri Scheljabuschski, 1930, über Aserbaidschan) oder "Dwa Okeana" ("Zwei Ozeane", Regie: Wladimir Schnejderow, 1933, zur erstmaligen Befahrung der Nordost-Route durchs Eismeer) seine Fortsetzung finden. "Turksib" erweiterte die von Dsiga Wertows entwickelte Form des emotionalen Dokumentarfilms zu einem „filmischen Statement von neuem sozialem Optimismus“, so Sergej Kapterew im Pordenone-Katalog 2013.

Der Regisseur Wiktor Turin war mit Auslandserfahrung und als Reemigrant ein seltener Fall innerhalb der neuen Generation junger sowjetischer Filmschaffender. Er wurde 1895 in Sankt Petersburg geboren, studierte am M.I.T. in den USA und arbeitete ab 1916 in der Drehbuchabteilung von Vitagraph in Hollywood. 1921 kehrte er zurück und ging in die Ukraine, wo er vor "Turksib" drei Filme realisieren konnte, danach aber nur noch einen weiteren, bis zu seinem frühen Tod 1945. "Turksib" wurde sein experimentellster und bekanntester Film. Gedreht hat Turin ihn für die 1928 gegründete Organisation Wostokkino. Sie sollte das Filmwesen in den südlichen und mittelasiatischen Regionen der Russischen Sowjetrepublik fördern, zu der der Drehort Kasachstan bis 1936 gehörte. Wostokkino wurden 1930 nach der faktischen Liquidierung der ukrainischen Studios WUFKU und Ukrainfilm auch alle ukrainischen Filme ab 1929/30 zugeschrieben.

"Turbsib" hatte nach den Experimenten Robert Flahertys, Walter Ruttmanns und Dsiga Wertows in den 1920er Jahren dem künstlerischen Dokumentarfilm mit zum Durchbruch verholfen. John Grierson, der die englische Fassung 1930 in Großbritannien herausbrachte, und Basil Wright etwa haben die große Bedeutung für die britische soziale Dokumentarfilmbewegung und ihren Film Night Mail (1936) betont. Vor allem wegen der dynamischen Kamera und Montage, aber auch wegen seiner klaren politisch-sozialen Botschaft einer neuen Epoche und eines "Neuen Menschen" wird "Turksib" zum Kanon der wichtigsten Dokumentarfilme der Weltkinematografie gerechnet. mehr

Titel/Originaltitel: Turksib (Stalnoi put)
Musik: Richard Siedhoff
Herausgeber: Rainer Rother, Alexander Schwarz
ISBN: 978-3-8488-5616-9
EAN: 978-3-8488-5616-9
FSK: Info
Länge: 71
Bild: S/W
Sprache: Russisch
Untertitel: deutsche Untertitel
Label: absolut MEDIEN
Reihe: absolut on demand

DVD-Tipp: Im Frühjahr 2017 wurde die Doppel-DVD Der Neue Mensch - Aufbruch und Alltag im revolutionären Russland in der Reihe Edition Suhrkamp/Absolut Medien veröffentlicht.

Textquelle und Bild: Absolut Medien GmbH, www.absolutmedien.de

Elvira Notari

elvira notari festival frankfurt kinothek asta nielsen 2017 250

Vom 14. bis 17. Dezember 2017 findet in Frankfurt/Main das Filmfestival "Transito. Elvira Notari – Kino der Passage" statt. mehr

Berlinale 2018

Die Retrospektive der 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin, die vom 15. bis 25. Februar 2018 stattfinden, stellt die Vielfalt des Weimarer Kinos ins Zentrum. mehr

Blu-ray-Ankündigung

cover prinz achmed blue ray 2018 absolut medien

Am 09. März 2018 erscheint "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" von Lotte Reiniger als Blu-ray. mehr

Tanz und Kino

filmmuseum potsdam tanzausstellung 2017 2018 foto julietta l wehr 250

Das Filmmuseum Potsdam zeigt bis zum 22. April 2018 die Sonderausstellung „Alles dreht sich … und bewegt sich. Der Tanz und das Kino“. mehr

Newsletter