deutsches filmmuseum museumsguide 250Elektronische Ausstellungsführer sind in vielen Museen im Kommen. Das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt/Main hat dabei einen außergewöhnlichen Weg eingeschlagen.

Für die Produktion seines Multimediaguides hat es in einem Zeitfenster von drei Jahren rund 50 Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichen Frankfurter Stadtteilen einbezogen. Die Jugendlichen bestimmten bei dem Modellprojekt wesentliche Inhalte des Guides und entwickelten für dessen Hauptzielgruppe – Kinder, Jugendliche und Familien – Beiträge zu den von ihnen ausgewählten Exponaten.

In Workshops wurden die jungen Menschen auf ihre Aufgaben vorbereitet und arbeiteten sich so spielerisch in filmgeschichtliche wie filmanalytische Themen und Techniken ein. Dieser Perspektivwechsel war nicht nur für die Entwicklung des Guides selbst essentiell, auch für zukünftige Filmbildungsformate konnte das Museum daraus wichtige Schlussfolgerungen ziehen. Was interessiert Kinder und Jugendliche am Filmmuseum, besonders an seiner Dauerausstellung? Dafür erschlossen sich die Heranwachsenden in drei Altersgruppen jeweils über sechs Monate das Museum und recherchierten zu verschiedenen Themen.

Eines der drei Teams, 13 Jugendliche zwischen zwölf und 15 Jahren, tauchte in die Vor- und Frühgeschichte des Films ein. Die Jugendlichen nahmen sich an Wochenenden und Projekttagen im ersten Teil der Dauerausstellung einzelne Exponate vor, zu denen sie vertiefende Informationen sammelten. Die von ihnen ausgewählten Stücke, ob Laterna magica, Camera obscura, Kinetoskop oder Wundertrommel, porträtierten sie dann in selbstverfassten Texten, die sie selbst im Tonstudio vortrugen. Und kamen dabei zu verblüffenden Vergleichen, wie der 15-jährige Rufus: „Für mich ist das Kinetoskop interessant, denn es erinnert mich an die heutigen Virtual-Reality-Brillen, da man auch durch ein brillenartiges Guckloch guckt und in eine andere Welt eintaucht.“ Lara hat zu ihrem Lieblingsexponat, dem Frankfurter Panorama, herausgefunden: „Wusstet Ihr, dass wenn im Panorama Kriegsschlachten gezeigt wurden, Bauern oft mehrtägige Reisen antraten, damit sie die Heldentaten ihrer verstorbenen Söhne sehen konnten?“

deutsches filmmuseum museumsguide 2 250Auf dem Guide, der seit dem 02. September 2017 im Einsatz ist, können die Besucher/innen mit vielen Interviews, Audiobeiträgen, Filmausschnitten, Fotos und spielerischen Zugängen das Thema Film, seine Geschichte und sprachlichen Mittel erkunden. „Den Besucher/innen mithilfe eines Multimediaguides noch einmal ganz neue Zugänge zu den Inhalten, Themen und Ausstellungsstücken des Filmmuseums zu erschließen sowie das Museum für andere Zielgruppen zu öffnen, war ein ganz wichtiges Ziel des prozesshaft angelegten Projekts“, erläutert Christine Kopf, Leiterin der Abteilung Filmbildung und -vermittlung des Deutschen Filminstituts. Darüber hinaus sei auch darum gegangen, zu erfahren, wie Kinder und Jugendliche auf die Angebote des Hauses reagieren und welche Objekte sie besonders ansprechen.

„Und das ist mit durchaus überraschenden Ergebnissen ganz hervorragend gelungen“, versichert Claudia Dillmann, Direktorin des Deutschen Filmmuseums: „Dass unser Darth-Vader-Helm viele junge Menschen begeistert, bestätigte sich auch bei den Multimediaguide-Teilnehmer/innen. Aber dass viele sich sehr für die Blechtrommel aus dem gleichnamigen Film von Volker Schlöndorff aus dem Jahr 1979 interessierten, den nur einer der Teilnehmer je gesehen hatte: Das freute uns doch besonders.“ Andere, wie der 16-jährige Rafi, entdeckten nach und nach ihre Faszination für Schwarzweiß-Filme aus der Frühphase der Filmgeschichte, die etwa im Kleinen Kino in der Dauerausstellung I zu sehen sind.
Textquelle und Bilder: Deutsches Filminstitut/Deutsches Filmmuseum

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