filmmuseum duesseldorf 250 1In der Black Box, dem Kino des Filmmuseum Düsseldorf, sind am Samstag, den 25. Juni 2022, "Straight Shooting" (USA 1917) und "Hell Bent" (USA 1918) mit Livemusik zu erleben.

Die ersten Langfilme John Fords galten lange Zeit als verschollen, bis Kopien dieser beiden Filme im tschechischen Filmarchiv aufgefunden wurden. Damit sind sie heute zwei der wenigen noch erhaltenen Stummfilme des Regisseurs.

Wie Fords Arbeiten zuvor, sollte auch "Straight Shooting" eigentlich ein Kurzfilm werden, ließ sich jedoch mithilfe einer Lüge um angeblich zerstörtes und neu zu drehendes Filmmaterial auf Spielfilmlänge erweitern. Gleichzeitig führt der Film eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem frühen Western-Held Harry Carey fort, mit dem Ford noch 21 weitere Filme drehen sollte. Carey ist in der Rolle des Outlaw Cheyenne Harry zu sehen, der von Ranchern dazu angeheuert wird, eine ansässige Farmersfamilie zu vertreiben. Das Abdrehen der Wasserzufuhr ist dabei noch eine relativ harmlose Strategie und als Harry Zeuge eines Mordes wird, schlägt er sich auf die andere Seite.

Die Geschichte dieses Genre-Films ist auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches und erreicht auch noch nicht die emotionale und psychologische Tiefe von Fords späteren Filmen. Dennoch werden bei diesem klassischen Spiel von Gut und Böse bereits typische inhaltliche und formale Merkmale sichtbar, die ihn als einen der einflussreichsten US-amerikanischen Regisseure berühmt machen sollten. Ähnlich wie John Wayne in "Der schwarze Falke" (USA 1956) – ein weiterer Stammschauspieler Fords – wird auch Harry vor die Entscheidung gestellt, ob er sein unstetes Leben hinter sich lassen und sich zur Ruhe setzen soll. Obwohl dieser tragende Konflikt hier noch in statischen Aufnahmen gefilmt wird, lässt Ford bereits eine virtuose Dynamik innerhalb des Bildes zu – bis hin zu den typischen Einstellungen aus seinen späteren Filmen: Einen Berghang herunter preschende Reiter oder die gezielte Rahmung durch Fenster und Türen und damit zum ersten Mal der sogenannte „Front-Door-Shot“ aus dem Inneren eines Hauses gefilmt – auf eine sich öffnende Tür, hinter der schließlich das Panorama der Landschaft auf die Leinwand hereinbricht.

Auch "Hell Bent" kann als am Fließband produzierter Film gesehen werden, gedreht mit relativ geringem Budget und strengem Zeitplan. Und dennoch wird auch in diesem, neunten Film John Fords seine sich stetig ausformende Handschrift bemerkbar. Die inhaltlichen, von Gewalt geprägten Story-Elemente mussten, wie üblich zu der Zeit, auch die Einschnitte und Restrik- tionen der Zensurbehörde in Kauf nehmen. Das ließ Ford jedoch auch Raum für narrative Innovationen – so wird der Film aus der Sicht eines Autors erzählt und die Handlung öffnet mit dem Blick auf ein Gemälde. Harry Carey als Cheyenne Harry – eine Figur, die er über zwei Jahrzehnte, bis 1936 und dem Film "Aces Wild" spielen sollte – landet nach einer misslungenen und blutig endenden Pokerpartie auf der Flucht vor der Polizei in der Kleinstadt Rawhide. Dort nimmt er einen Job in einem Nachtclub an und verliebt sich in die Tänzerin Bess Thurston, die ihre kranke Mutter pflegt und unterstützt. Nach einem versuchten Überfall, bei dem auch Bess‘ untätiger Bruder Jack beteiligt ist, wird Harry schließlich Zeuge, wie Bess von dem Bandenanführer Beau Ross entführt und in die Wüste verschleppt wird.

Auch "Hell Bent", in seiner Form und seinem Symbolismus, zeugt von der später typischen Stilistik John Fords und des zugrundeliegenden Western-Genres, das er so maßgeblich prägen sollte. Mehr noch als "Straight Shooting" weist der Film aber noch ein weiteres Ford’sches Merkmal auf: und das ist der häufig zu findende, selbstreflexive und hintergründige Humor seiner immer auch ambi- valent gezeichneten Charaktere.

Matthias Haarmann begleitet die Stummfilme mit Improvisationen. Affekte und visuelle Stimmungsbilder setzt er an der historischen Welte-Kinoorgel in Musik um und erzeugt durch liedhafte Melodien und deren Variationen, kurzen Motiven, Bezügen zur Minimal Music aber auch Stilelementen aus dem Jazz seine musikalische Interpretation des Films. Matthias Haarmann begleitet seit zehn Jahren Stummfilme solistisch an Klavier und Orgel. mehr
Textquelle: Filmmuseum Düsseldorf; Foto: Stummfilm Magazin

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