filmstreifen 01 250Vom 22. Januar bis 27. März 2022 ist im Käthe-Kollwitz-Museum Berlin die Sonderschau "Zwischen Erfolg und Exil. Lotte Jacobi & Lotte Reiniger" zu sehen.

Das Käthe-Kollwitz-Museum widmet sich im Rahmen seiner letzten Sonderausstellung am derzeitigen Standort dem Werk zweier herausragender Künstlerinnen der Weimarer Republik: Lotte Jacobi (1896-1990), deren Welt sich um die Fotografie drehte, und Lotte Reiniger (1899-1981), die sich dem Scherenschnitt verschrieb.

Mit Neugier, Talent und Geschäftssinn setzten sich die Fotografin und die Trickfilmpionierin in der männerdominierten Kunstszene durch und verkehrten in den gleichen Kreisen wie die Hauskünstlerin Käthe Kollwitz. Die Sonderschau zeigt auf, wie ihre Karrieren in der aufstrebenden, lebendigen Kulturszene des Berlins der 1920er Jahre begannen und bis zu ihrer Emigration im Jahr 1935 aufblühten.

Lotte Jacobi entstammte einer traditionsreichen Fotografenfamilie und wandte sich neben der Porträtfotografie mit Vorliebe der Theater- und Tanzfotografie zu. Bei Porträtaufnahmen für die Titelseite einer neugegründeten Frauenzeitschrift begegnete die junge Fotografin im Jahr 1929 Käthe Kollwitz. Rückblickend wirken die Porträts wie eine Hommage an die Grafikerin und Bildhauerin, die im selben Jahr mit dem Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste ausgezeichnet wurde. Zu dem väterlichen Porträtstudio mitten im Berliner Neuen Westen, das Jacobi 1927 nach ihrer Ausbildung in München übernahm, zählte ein renommierter Kundenstamm. Die Arbeit vor Ort, in den Theatern der Metropole und auch in den Ateliers der Kunstschaffenden zog sie allerdings der Studioarbeit immer vor. Dabei entstanden einzigartige Porträts wie das von Lotte Lenya bei der Premiere der "Dreigroschenoper" im Sommer 1928. Aber auch unkonventionelle Doppelporträts wie das vom Komikerduo Karl Valentin und Liesl Karlstadt zählten zu ihrem fotografischen Repertoire. Ihre Fotografien fanden in Zeitungen und Illustrierten eine weite Verbreitung. Mit Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft sah sich die erfolgreiche Fotografin jedoch gezwungen, 1935 mit ihrer Familie in die USA zu emigrieren.

Auch Lotte Reiniger entschied sich, 1935 mit ihrem Mann Carl Koch Deutschland zu verlassen. Dabei war die Trickfilmkünstlerin im Berliner Kulturleben bereits fest etabliert, drehte Werbefilme für den Werbefilmer Julius Pinschewer, fertigte Bühnenbilder an und war mit anderen Zeitgenossen der Avantgarde befreundet. Reinigers Bekanntschaft mit dem Schauspieler und Stummfilmregisseur Paul Wegener und seine Vermittlung an das 1919 von Kulturfilmer Hans Cürlis gegründete Institut für Kulturforschung bedeutete den Beginn ihrer langen Karriere. Hier schuf sie ihren ersten Silhouettenfilm und lernte ihren Mann und wichtigsten Mitarbeiter kennen. Ihr bekanntester Trickfilm und zugleich erster Animationsfilm in Spielfilmlänge, war „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“. Diesen konnte sie dank der großzügigen Finanzierung des jüdischen Bankiers Louis Hagen mit ihrem Team in dreijähriger Arbeit in Potsdam verwirklichen. Damit war sie Walt Disney um Jahre voraus. Nachdem das Ehepaar Reiniger-Koch Anfang November 1935 die Berliner Produktionsstätte auflöste, reiste es zunächst nach London, später nach Paris und Rom. Bevor die Filmemacher 1949 nach London übersiedelten, überstanden sie die (Nach-) Kriegsjahre in Berlin, wo Reiniger für die Berliner Schattenbühne arbeitete.

Die beiden Künstlerinnen treffen erstmals in einer Ausstellung aufeinander und versprechen, ein spannendes Ausstellungspaar abzugeben, dessen Werk ohne Sprache auskommt und interkulturell verstanden wird. Die Fotografin Lotte Jacobi wird mit rund 45 Aufnahmen namhafter Persönlichkeiten aus den Sparten Bildende und Darstellende Kunst, Literatur und Wissenschaft präsentiert werden. Die weltbekannte Filmemacherin Lotte Reiniger wird mit rund 30 Scherenschnitten, Zeichnungen, Skizzenbüchern, Storyboards sowie mit ihren Silhouettenfilmen vertreten sein. Damit wird die gebürtige Berlinerin erstmals in ihrer Heimatstadt präsentiert und entsprechend gewürdigt.

Gezeigt werden vornehmlich Werke aus den Beständen der Berlinischen Galerie, der Deutschen Kinemathek, dem Jüdischen Museum, der Akademie der Künste und dem Ullstein Bildarchiv. Die Exponate zu Lotte Reiniger hingegen stammen hauptsächlich aus dem Stadtmuseum Tübingen, das den Nachlass der Filmemacherin betreut. Der Wasmuth Verlag stellt außerdem das zum Achmed-Film entstandene Mappenwerk aus dem Jahr 1926 im Rahmen der Sonderschau zur Verfügung. Die Realisierung der Ausstellung und der Begleitpublikation verdankt sich der Finanzierung des Hauptstadtkulturfonds. mehr
Text: Pressemitteilung Käthe-Kollwitz-Museum Berlin; Foto: Stummfilm Magazin

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