filmstreifen bunt 10 250Walter Ruttmann, einer der bedeutensten deutschen Experimentalfilmer, starb am 15. Juli 1941 in Berlin.

Ruttmann, geboren am 28. Dezember 1887 in Frankfurt am Main, ist heute vor allem wegen seiner Filmhymne "Berlin. Die Sinfonie der Großstadt" (D 1927) bekannt. Das visuell betörende und meisterhaft montierte Stadtportrait gilt als sein Hauptwerk, gehört zum Repertoire vieler Stummfilmmusiker*innen weltweit und ist nach wie vor ein Publikumsmagnet bei Filmkonzerten.

Sechs Jahre zuvor schrieb Ruttman mit dem zehnminütigen Experimentalfilm "Lichtspiel Opus I" (D 1921) bereits Filmgeschichte. Hier zeigte er sich, wie später noch öfters, als ein Medienkünstler am Puls der Zeit. Das erste abstrakte deutsche Kinowerk besteht aus 10.000 handkolorierten Einzelbildern und lässt Formen und Flächen miteinander rhythmisch choreografiert korrespondieren. Der Animationsfilm, von 1919 bis 1921 in mehreren Überarbeitungsphasen an einem selbst konstruierten Tricktisch entstanden, gleicht einem psychedelischen Wachtraum: Nichtgegenständliche, zweidimensionale Objekte tanzen über die Leinwand, scheinbar von unsichtbarer Hand in ihren Bewegungen aufeinander abgestimmt. In den Jahren 1921, 1924 und 1925 folgen mit "Lichtspiel Opus 2 – 4" drei "Fortsetzungen", die die Möglichkeiten des abstrakten Film weiter ausloteten. So durchzieht das Streben nach Unkonventionellem und Innovativem den künstlerischen Werdegang von Walter Ruttmann: 

Er war in der Dada-Bewegung aktiv, beteiligte sich an Lotte Reinigers meisterhaften Scherenschnittfilm "Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ (D 1926) und kreierte außergewöhnliche Reklamefilme für den Werbefilmpionier Julius Pinschewer. 1928 dreht er dann den ersten deutschen Tonfilm anlässlich der Großen Deutschen Funkausstellung in Berlin und beeinflusste mit seiner Tonmontage „Weekend“ (D 1930) die Hörspielgeschichte.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten war er als Regisseur bei der Ufa tätig und drehte dort Kultur-, Werbe-, und Propagandafilme. Seine von Nationalstolz durchtränkten Industriefilme "Metall des Himmels" (D 1935) und "Mannesmann" (D 1937) wurden bei mehreren Festspielen im Ausland ausgezeichnet. Seine letzten filmischen Zeugnisse sind die NS-Propagandastreifen "Deutsche Waffenschmieden" und "Deutsche Panzer", beide aus dem Jahr 1940. Walter Ruttmann starb 1941 in Berlin nach einer Operation. mehr
Text: Frank Hoyer; Foto: Stummfilm Magazin

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