kopf im quadrat gruen 250Von Faruk Hansoy

Ein Lumiere-Einakter um 1900: Eine mehr oder weniger gelungene Spielhandlung wird vor der Kamera von Darstellern an einer Häuserecke zum besten gegeben. Und plötzlich läuft ein Hund ins Bild und erleichert sich – ohne auch nur die Menschen eines Blickes zu würdigen – an der Hauswand. Es bedarf keiner weiteren Erklärung, dass sich die Aufmerksamkeit des Filmbetrachters sofort auf den herumstreunender Vierbeiner fokusiert. Aus dem Spielfilm ist an dieser Stelle ein Dokumentarfilm mit humvorvoller Note geworden.

Gerade am frühen Film hat mich schon immer begeistert, wenn in die filmische Inszenierung die reale Aufnahmesituation hereinbricht oder deutlich zutage tritt. Etwa, wenn Passanten im Hintergrund bei Filmaufnahmen neugierig zuschauen, weil die Filmemacher ihre Szenen an echten Schaupläten ohne Absperrung und bezahlte Komparserie gedreht haben. Solche Momente in inszenierten Szenen sind wie ein Zeitsprung, der einem einen kurzen Einblick in vergangene Zeiten gewährt und das Gefühl gibt, ganz unmittelbar am dem Geschehen auf der Leinwand teilzuhaben.

Faruk Hansoy ist Redakteur bei www.stummfilm-magazin.de.
Bild: Stummfilm Magazin

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